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"Der Ehrliche ist der Dumme"
Die Evang. Kirchengemeinde Umkirch feierte ihren 4. XXL-GottesEXTRAdienst
"Alles nur
geklaut", sang die Band am Sonntag zum Auftakt im
"XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene" im
Evangelischen Gemeindezentrum in Umkirch zum Thema "Ich bin doch nicht
blöd und bin ehrlich?!" und selbst dieser Slogan
war geklaut!
Neben rund 200 Besuchern hatte auch Wolfgang Erdmann
von der Steuerfahndung Freiburg den Weg ins Gemeindezentrum gefunden. Im
Gespräch mit Moderator Jan Völkel berichtete er von seinen
alltäglichen Erfahrungen mit "Ehrlichkeit"; über 90 Prozent
aller Steuererklärungen, so seine Schätzung, seien falsch. Die
oftmals mangelhafte Steuermoral hänge eng zusammen mit der generellen
Einstellung zur Ehrlichkeit. "Heute", so die weit verbreitete Meinung
in der Bevölkerung, "sei man ja fast der Dumme, wenn man ehrlich
ist".
Wie schwierig es sein kann, in verschiedenen
Lebenslagen ehrlich zu bleiben, veranschaulichte das anschließende
Theaterstück (Buch und Regie: Claudia Pflaum). Immer wieder fällt es
schwer, bei der Wahrheit zu bleiben. Und sei es nur, Zuneigung zu offenbaren
oder persönliche, peinlich erscheinende Probleme anzusprechen, die eigene
Arbeitslosigkeit zu thematisieren oder gar Schnäppcheneinkäufe als
eben solche auch zu präsentieren. Einfühlsam und humorvoll zugleich
wurden diese Schwierigkeiten von der sechsköpfigen Theatergruppe auf der
Bühne inszeniert.
In seiner Ansprache im übervollen Gemeindezentrum zum Thema Ehrlichkeit brachte Pfarrer Fritz Breisacher es auf den Punkt: Unehrlichkeit, Unwahrhaftigkeit, Lüge sind Phänomene mit gesellschaftlicher Tiefenwirkung geworden. Dagegen sind mit dem Begriff "Wahrheit" Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit, Vertrauen, Beziehungsfähigkeit, Integrität, Glauben und Treue verknüpft. "Freundschaft und Nähe sind der Nährboden, auf dem die Wahrhaftigkeit hervorragend wächst und gedeiht", so Pfarrer Breisacher. Und weiter: wo man die Nähe Gottes sucht, würde man ehrlicher mit sich selber und mit Anderen, man brauche keine Masken aufsetzen, weil man spüre, Gott will einem nichts Böses. Im Gegenteil: er wünscht uns alles Gute.
Hier können Sie die live-Aufnahme der Predigt noch einmal in Ruhe hören.
Im anschließenden "Kreuzverhör" ein Novum im XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene stellte Pfarrer Breisacher sich den Fragen der Gottesdienstbesucher, wobei er für jede Frage maximal eine Minute Zeit hatte. Fragen nach der Notlüge beim Widerstand gegen die Staatsgewalt oder nach Gottes Umgang mit Lügen wurden hier unter anderem gestellt. Zum Abschluss des XXL-GottesEXTRAdienstes bekamen die Zuschauer noch eine "praktische Lebenshilfe mit auf den Weg: Jeder erhielt einen Radiergummi, "damit eventuelle Schummeleien auch wieder korrigiert werden können."
Der Gottesdienst, neben der Band auch vom
Gospelchor "Rainbow
Singers" umrahmt, fand seinen gemütlichen Abschluss im
"BistroCafé für Ausgehungerte" bei Salaten,
Schäufele, Baguettes und Getränken. Und hier zeigte sich dann auch
der "Erfolg" der Veranstaltung: Aufgerufen zur Ehrlichkeit konnten
die Besucher das Entgelt für das Verzehrte in Eigenregie, also ohne
Kassierer, bezahlen. Und siehe da: Die Kasse stimmte am Ende, alle waren
ehrlich, keiner war blöd.
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